JANOSCH

„Ich bin aus Irrtum ein sogenannter Künstler geworden, weil ich gedacht habe, das ist keine Arbeit.“

Janosch heißt eigentlich Horst Eckert und wurde 1931 im damals schlesischen Hindenburg geboren. Seine Kindheit begann als Alptraum. Früh erfuhr er häusliche Gewalt und Misshandlungen durch seinen Vater. Um dem alkoholsüchtigen Familienoberhaupt zu entkommen, wuchs er bei seinen Großeltern auf. Seine Mutter gab sich streng katholisch und überließ die Erziehung ihres Sohnes einem Jesuitenpater. Auch die Schulzeit wurde für Janosch zur Qual. Das Erlebte verarbeitet er immer wieder in seinen Geschichten und Bildern, die oft geprägt sind von der Sehnsucht nach Harmonie und Geborgenheit.

Janosch – dieser Name öffnet Herzen und ruft Erinnerungen wach an den gelb-schwarz gestreiften Tiger, seinen Freund den kleinen Bären und ihren langen Weg nach Panama. An Onkel Popoff, der auf Bäume fliegen kann oder die Maus Schimanski, die unglaublich viel Kraft in der rechten Pfote hat. Seine Kinderbücher handeln von Freundschaft und Liebe, von kleinen Tieren, für die das Wenige, was sie haben, das große Glück bedeutet. Rund 300 Bücher schrieb und zeichnete der Kinderbuchautor, Schriftsteller und Illustrator. In seinen Geschichten spiegelt sich oft sein Seelenleben wider, wenn er von den starken Kleinen, den Außenseitern und Kautzen erzählt, die sich mal anrührend, mal mutig und oft sehr weise durchs Leben schlagen.

Doch Janosch schreibt und malt nicht nur Kinderbücher, zu seinem Werk gehören auch Radierungen und Grafiken aus dem Erwachsenenleben: oft erotisch, kritisch, satirisch und fast immer liebevoll. Als Zeichner schaut der Künstler hinter die Fassaden seiner Mitmenschen und seiner selbst: in seinen Bildern grantelt er über die selbst empfundene Dominanz des weiblichen Geschlechts oder prangert die erdrückende emotionale Last seiner katholischen Erziehung an. Janosch – ein verhinderter Romantiker? Viele Zeichnungen erzählen von seiner erlebten Verzweiflung und unerfüllter Sehnsucht, aber auch von der Suche nach Liebe und Klarheit.

Janosch nennt sich selbst einen Aussteiger, Anarchisten und bekennenden Autisten, der in seinen Bildern immer wieder „die Gene des kleinen Wahnsinns“ verewigt. Ein Abenteurer, der sich eigentlich schon vor drei Jahren in den Ruhestand seiner Hängematte verabschieden wollte, passend zum 80sten Geburtstag. Aber Stillstand ist nicht sein Geschäft – seit einem Jahr zeichnet Janosch eine wöchentliche Kolumne im Zeit-Magazin und setzt sich als „Wondrak“ mit dem politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen auseinander.

Text: Iris Kroon-Lottes, Dipl.Journalistin, anlässlich unserer Janosch-Ausstellung 2014

Vita
1931 geboren in Hindenburg, Oberschlesien als Horst Eckert
1944 Lehrstelle als Schmied und arbeitet in einer Schlosserei
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges flüchten die Eltern mit ihm nach Westdeutschland, er arbeitet in der Nähe von Oldenburg in einer Textilfabrik, besucht die Textilfachschule in Krefeld (Teilnahme an einem Lehrgang für Musterzeichner bei Klee-Schüler Gerhard Kadow)
Aufenthalt in Paris
1953 Umzug nach München, Studium an der Akademie der Bildenden Künste, u.a. bei Ernst Geitlinger, muss aber das Kunststudium nach einigen Probesemestern wegen „mangelnder Begabung“ abbrechen Arbeit als freischaffender Künstler
1956 Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit im Feuilleton, er legt sich den Künstlernamen Janosch zu
1960 Erscheinen seines ersten Kinderbuchs „Die Geschichte von Valek dem Pferd“
1970 Erscheinend es ersten Romans „Chlonek oder der liebe Gott aus Lehm“
1979 Deutscher Jugendbuchpreis in der Kategorie Bilderbuch für „Oh, wie schön ist Panama“
1980 Umzug nach Teneriffa
1992 Andreas-Gryphius-Preis für sein Romanwerk
1993 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes als Anerkennung für sein künstlerisches Schaffen
seit 2013 wöchentlicher Beitrag im ZEITmagazin